3. Runde der Biologie-Olympiade in Kiel
Über Heuschrecken, Schädel, Laser, die Schwierigkeit, Spaltöffnungen zu finden, tote Riesenkalmare und Algorithmen zur Erstellung von Stammbäumen.
Meine Erlebnisse bei der dritten Runde der Biologie- Olympiade in Kiel. Erfahrungsbericht.
Erst einmal vorweg: Es war eine wunderbare, spannende, einmalige Erfahrung, die ich auf jeden Fall weiterempfehle!
Also, nehmt gerne teil, es lohnt sich ;)
Aber der Reihe nach:
Mein Name ist Elisabeth Lau, ich bin gerade in der 12. Klasse hier auf dem Käthe, habe Biologie, Informatik und Chemie Leistungskurs.
Letzten Sommer habe ich die erste Runde der internationalen Biologie-Olympiade (oder IBO, wie wir es häufig abkürzen) abgeschlossen, eine Hausaufgabenrunde.
Lustige Geschichte, eigentlich wollte ich nämlich an der Chemie-Olympiade teilnehmen, aber dann sahen die Aufgaben bei der IBO doch so spannend aus… (Ich habe im Ende beide Olympiaden gemacht. War… nicht die klügste Idee was meine Schlafrhythmus in den Sommerferien anging. Hat sich aber gelohnt.)
Die zweite Runde folgte dann im Herbst, das war eine Multiple- Choice Klausur (mit teilweise sehr lustigen Fragen), die ich ganz bequem in zwei Stunden in der Schule schreiben konnte.
Zur Überraschung aller (ich hatte… nicht dafür gelernt) bin ich anschließend tatsächlich in die dritte Runde weitergekommen.
Das bedeutete für mich: im Februar eine Woche nach Kiel fahren.
Am Sonntag stand erst einmal Ankommen und sich gegenseitig ein bisschen Kennenlernen auf dem Plan. Wir teilten uns zu viert Zimmer und zu acht ein Bad, was vielleicht ein bisschen voll klingt, aber wirklich sehr schön war, weil die Leute in meinem Zimmer echt super waren :)
Am Montag sind wir dann mit dem Bus zum IPN Kiel, dem “Institut für Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik”, gefahren, einem Gebäudekomplex mit vielen Laboren, Vorlesungssälen und einem Snackwagen. (Ja. Das ist ein Wagen mit Snacks drauf. Hat uns regelmäßig zwischen den Crashkursen und Klausuren das Leben gerettet.)
Dann gab es vier Crashkurse mit praktischem Fokus, je im Kleingruppen von ca. 15 Leuten, in dem Bereichen Botanik, Physio (also Biochemie), Zoologie und Bioinformatik.
Wir haben also sehr viel über den Stammbaum der Pflanzen, die Klassifikation von Blättern, das Anfertigen, Einfärben, Mikroskopieren und Interpretieren von Blattquerschnitten, das Anfertigen von Verdünnungsreihen, die Messung von Absorption, die algorithmische Bestimmung von DNA- Aligments, das Durchsuchen biochemischer Datenbanken, den Stammbaum der Tiere und die Klassifizierung mittels Bestimmungsschlüsseln gelernt. (Keine Angst, bei der Hälfte der Wörter wusste ich vorher auch noch nicht, was sie bedeuten.)
Kurz gesagt: wir haben viel mikroskopiert, viel pipettiert (mit Eppendorf-Pipetten, ich liebe diese Dinger, allein dafür war es es wert), gelernt, wie man bestimmte Algorithmen per Hand anwenden kann und welche Bio(-chemischen) Datenbanken es gibt und wie sie durchsucht werden können.
Die Crashkurse bestanden meist aus einem kurzen Vortrag am Anfang, der von einem oder zwei Betreuern gehalten wurde und einem anschließendem praktischen Teil. Für mich waren auf jeden Fall sehr viel neue Information dabei, auch weil der Lehrplan Berlins teilweise sehr von den Inhalten/ Themengebieten der Crashkurse abweicht, v.A. Botanik und Zoologie betreffend.
Meist war man nach den Vorträgen erst einmal… dezent überfordert, zum Glück ging es aber allen so, wir haben dann zusammen gerätselt und es (meistens) herausgekriegt.
Mein persönlicher Tiefpunkt der Woche war der Zoologie-Crashkurs: eine gute Stunde einen auf ein Gruseligstes unter einem Okular vergrößerten toten Wurm anstarren, um die Art herauszufinden. Dafür sollte man einen Bestimmungsschlüssel verwenden, also ein Buch, in dem Fragen abgedruckt sind, und man dann abhängig von der gewählten Antwortmöglichkeit zur nächsten Frage gelangt, bis die Art bestimmt ist.
Es ist nur leider gar nicht so leicht, zu beantworten ob ein Wurm einen Saugnapf am hinteren Ende hat oder nicht, wenn man nicht mal weiß, wo das hintere Ende ist.
Naja, sagen wir so: von dort an konnte es eigentlich nur noch besser werden.
Und das ist es geworden, wirklich.
Die nächsten beiden Tage haben wir viele Klausuren geschrieben, vier praktische die je anderthalb Stunden gedauert haben und eine theoretische Klausur von 4,5 Stunden.
Das klingt tatsächlich anstrengender, als es war, man war dann so fokussiert auf die Aufgaben, dass die Zeit wie im Flug verging.
Teilweise hat man sich in den Klausuren sehr dumm gefühlt und wusste viel nicht, bzw. hat mehr oder weniger gebildet geraten. Ich denke, dass die Betreuer einige Male bei der Korrektur zumindest meiner Aufgaben lachen mussten, aber dass soll so. Nein, wirklich. Die Klausuren waren so ausgelegt, dass man durchschnittlich weniger als 50 % erreichen sollte.
Inhaltlich ging es übrigens bei den praktischen Klausuren um die Bestimmung einer Heuschrecke, die Auswertung von Zahnformeln, die Bestimmung einer Ordnung anhand von Schädeln, das Mikroskopieren von verschiedenen Nadeln und die Auswertung dieser Präparate (also, sagen, welche Blutbestandteile erhalten sind), die Herstellung einer Verdünnungsreihe und davon ausgehend die Berechnung einer bestimmten Konzentration, ein sehr weirdes Experiment mit Lasern, bei dem ich bis heute nicht weiß, was eigentlich herauskommen sollte und wieder das Anwenden eines Algorithmus, den wir am Tag vorher gelernt hatten sowie die Durchsuchung einer Datenbank.
In der theoretischen Klausur ging es querbeet einmal durch alle möglichen Teilgebiete der Biologie, oft wurden Messwerte von Experimenten gezeigt und man musste angeben, welche Schlussfolgerungen korrekt sind.
Generell waren hier mindestens 90% der Aufgaben Multiple-Choice.
Später folgten noch Nachbesprechungen zumindest der praktischen Klausuren, wo uns die Betreuer noch einmal alle unsere Fehler unser die Nase rieben. (Es gab… VIELE Memes über zumindest einen Ausschnitt der dummen Fehler, die wir gemacht hatten. Tatsächlich hatten wir alle sehr viel Spaß bei diesen Nachbesprechungen)
Und natürlich habe ich sehr viel Neues gelernt, und weiß in Zukunft, wie ich es besser machen kann.
Generell habe wirklich unglaublich viel in dieser Woche gelernt, v.A. viel über Inhalte, die nie im Unterricht vorkommen. Besonders gut hat mir auch die Motivation aller anderen Teilnehmer für Biologie gefallen: immer liefen im Bus oder in der Mensa mehrere Gespräche über mehr oder weniger absurdes Biologie-Nischenwissen (natürlich haben wir uns auch über viele andere Dinge unterhalten. Und sehr lange über die Definition von einem Auflauf. Bitte einfach nicht nachfragen. Sie wollen es nicht wissen, vertrauen Sie mir).
Auch das Rahmenprogramm hat sehr viel Spaß gemacht. Es gab „biologische“ Programmpunkte wie einen Vortrag des internationalen Teams von letztem Jahr über ihre Erfahrungen in der fünften Runde auf den Philippinen, eine Gesprächsrunde mit den Betreuern über Studienempfehlungen und Universitätserfahrungen und eine Führung durch das zoologische Museum.
Wir waren aber auch Bowlen, in einem Spielecafé, haben in einem Mediendom (ein Planetarium, nur dass nicht nur Filme über Planeten laufen) einen Film geguckt, Werwolf gespielt und gelernt, zu tanzen.
Es hat auf jeden Fall alles sehr viel Spaß gemacht und wir waren alle sehr traurig, uns schon am Freitag, nach einer Abschlusszeremonie und einem sehr interessanten Vortrag, wieder trennen zu müssen und abzufahren.
Was bleibt sind viele schöne Erinnerungen, vergebene (gesponserte) Praktikumsplätze, neues Wissen, neue Kontakte und Freunde und auch Andenken, T-Shirts und Bücher(-gutscheine).
Ein besonders großer Pluspunkt, den ich gerne noch einmal hervorheben will ist, dass man nun über potentielle Kontaktmöglichkeiten zu Biologen (/Menschen, die irgendwo im Bereich Biologie arbeiten, also auch Mikrobiologie, Medizin, Bioinformatik…) in ganz Deutschland verfügt, was wirklich in Zukunft sehr hilfreich sein kann, z.B. bei der Entscheidung für ein Studium.
Wenn ich könnte, würde ich nächstes Jahr auf jeden Fall noch einmal teilnehmen :)
Also, ich kann die IBO sehr weiterempfehlen, versucht es, es lohnt sich wirklich!
(Nur… wenn ihr weiterkommt, skippt nicht alle Vorbereitungsseminare so wie ich das getan habe. Ist nicht die beste Idee. Ich meine, es ging auch so, ich bin am Ende 17. von 46 geworden, aber trotzdem…)
[Elisabeth, Q4]
