Macht uns künstliche Intelligenz kreativer?
scienceCLASH, Exkursion ans Weizenbaum-Institut Berlin, 22. Mai 2026
Am Weizenbaum-Institut ist das scienceCLASH-Team einer Frage nachgegangen, die längst nicht nur Forscher*innen: Entstehen die besten Ideen, wenn Mensch und Maschine zusammenarbeiten, oder geht dabei etwas Wertvolles verloren?
Empfangen wurde das Team von Dr. Jennifer Haase, Psychologin und Wissenschaftlerin am Weizenbaum-Institut. Sie erforscht, wie Künstliche Intelligenz die menschliche Kreativität verändert, ein Thema, das genau an der Schnittstelle von Mensch und Maschine liegt. Statt Antworten vorzusetzen, stellte sie den Jugendlichen gleich zu Beginn ihre eigene Forschungsfrage und machte sie damit für einen Vormittag selbst zu Forschenden.
Die Forschungsfrage – Können Menschen zusammen mit KI kreativere Ideen entwickeln als Menschen allein?
- Hilft KI dabei, eine größere Vielfalt an Ideen zu entwickeln, oder führt sie dazu, dass Ideen sich stärker ähneln?
- Produzieren Menschen mehr Ideen, wenn sie beim Brainstorming KI verwenden?
Spannend war vor allem, was die aktuelle Forschung dazu zeigt. KI kann Menschen beim kreativen Arbeiten tatsächlich unterstützen, einzelne Ideen werden mit ihrer Hilfe sogar oft besser bewertet. Doch es gibt einen Haken. Weil viele Menschen auf ähnliche Vorschläge der KI zurückgreifen, ähneln sich die Ergebnisse am Ende immer stärker. Die einzelne Idee wird also besser, aber die Vielfalt insgesamt nimmt ab.
Für das Team war das ein echter Aha-Moment: KI ist kein Zauberstab, der automatisch mehr Kreativität bringt. Sie ist ein Werkzeug, dessen Wirkung davon abhängt, wie bewusst man es einsetzt.
Ein Gedanke, der bis heute trägt
Passender hätte der Ort kaum sein können. Joseph Weizenbaum, Namensgeber des Instituts und einer der frühen Pioniere der KI, mahnte schon vor Jahrzehnten zu einem nachdenklichen Umgang mit Technik. Zwei seiner Sätze begleiteten das Team durch den Tag:
„Eine Gesellschaft, die sich auf eine Technik einlässt, braucht eine starke innere Kraft, um von den Zielen nicht verführt zu werden, nicht zu gierig zu werden."
„Die Gefahr der künstlichen Intelligenz liegt nicht darin, dass Maschinen mehr und mehr wie Menschen denken, sondern dass Menschen mehr und mehr wie Maschinen denken."
Genau das verband sich am Ende mit dem, was das Team über Kreativität gelernt hatte. Die wichtigste Frage ist nicht, was KI alles kann, sondern wie man sie nutzt, ohne die eigene Vielfalt und das eigene Denken aus der Hand zu geben.
Wie das Team zu diesen Erkenntnissen kam und was dabei sonst noch überraschte, gibt es bald in der neuen Folge von scienceCLASH zu hören.
Zum Weiterlesen
Vielen Dank an Dr. Jennifer Haase und das Weizenbaum-Institut für einen Vormittag voller neuer Gedanken und kluger Fragen.



