Mission angenommen: Die Junior-Ingenieur-Akademie am KKG ist gestartet
Mit einer Auftaktveranstaltung hat das Käthe-Kollwitz-Gymnasium am 3. September seine Junior-Ingenieur-Akademie (JIA) eröffnet – ein Programm der Deutsche Telekom Stiftung, das Schule, Wissenschaft und Wirtschaft zusammenbringt. Im Mittelpunkt standen dabei keine Reden, sondern die 16 Schülerinnen und Schüler des neuen Kurses.
Wer an diesem Donnerstagnachmittag den Kursraum betrat, kam nicht zu einer Feierstunde, sondern mitten in einen laufenden Kurs. Unsere Schulleiterin, die stellvertretende Schulleitung und Frau Chrzanowski als Fachbereichsleiterin Naturwissenschaften nahmen nicht in einer Zuschauerreihe Platz, sondern direkt an den Teamtischen – und hörten zu. Denn das Wort hatten die Jugendlichen.
Eine Woche zuvor, in der allerersten Kurssitzung, hatten die Teams aus Papier möglichst hohe Türme gebaut. Entscheidend war dabei weniger die Höhe als der Weg dorthin: Wer plant zuerst? Wer testet zwischendurch? Was passiert, wenn etwas nicht hält? Aus genau diesen Erfahrungen haben die Schülerinnen und Schüler die sechs Schritte des Engineering-Prozesses abgeleitet – Verstehen, Planen, Entwickeln, Testen, Optimieren, Präsentieren. Beim Auftakt stellte jedes Team seinen Turm vor und erklärte an ihm einen dieser Schritte: frei vorgetragen, in 90 Sekunden, vor Publikum. Für Neuntklässlerinnen und Neuntklässler in der zweiten Stunde eines neuen Fachs ist das alles andere als selbstverständlich – und sie haben es mit Bravour gemeistert.
Dass das Präsentieren von Anfang an dazugehört, hat im Kurs einen Grund und einen Namen. Als roter Faden begleiten die „Akin's Laws of Spacecraft Design" die JIA durch alle vier Halbjahre – Faustregeln des Raumfahrtingenieurs David L. Akin von der University of Maryland, die mit einem Augenzwinkern daran erinnern, worauf es beim Konstruieren wirklich ankommt. Gesetz Nr. 20 lautet sinngemäß: Ein schlechter Entwurf mit guter Präsentation scheitert irgendwann – ein guter Entwurf mit schlechter Präsentation scheitert sofort.
Den Höhepunkt bildete die Übergabe der Mission. Jede Teamleitung erhielt einen verschlossenen Umschlag mit dem Auftrag für die kommenden Wochen: den Bau eines funktionsfähigen Periskops. Ein Team öffnete seinen Umschlag und las die Mission laut vor – danach ging es ohne Pause an die Arbeit.
Ein Kurs, der wie ein Ingenieurbüro arbeitet
Die JIA ist am KKG ein zweijähriger Wahlpflichtkurs in den Jahrgangsstufen 9 und 10 mit dem Leitthema Luft- und Raumfahrt. Im ersten Halbjahr steht die Optik im Zentrum: Nach dem Periskop als gemeinsamem Einstiegsprojekt entwickeln die Teams ein optisches Gerät ihrer Wahl und durchlaufen dabei den vollständigen Ingenieurszyklus. Physikalische Grundlagen wie Reflexion und Lichtausbreitung werden genau dann erarbeitet, wenn sie für das eigene Produkt gebraucht werden. Jede Sitzung wird im persönlichen Ingenieur-Logbuch dokumentiert; in die Bewertung fließen Logbuch, Produkt, Präsentation und Teamarbeit ein.
Getragen wird der Kurs von Herrn Reichert, Herrn Kreutel und Herrn Prigge. Als Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft sind das DLR_School_Lab Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin und ABB an Bord. Eine erste Exkursion ins DLR_School_Lab ist bereits in Planung.
Teil eines bundesweiten Netzwerks
Die Junior-Ingenieur-Akademie wurde 2005 von der Deutsche Telekom Stiftung ins Leben gerufen und ist heute an mehr als 120 Schulen in ganz Deutschland etabliert. Ziel ist es, junge Menschen für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern und ihnen früh Orientierung für Studium und Beruf zu geben. Schulen bewerben sich in einer jährlichen Ausschreibung mit einem eigenen Konzept – das KKG hat mit seinem Raumfahrt-Konzept überzeugt. Die Stiftung unterstützt den Aufbau mit einer Anschubfinanzierung und öffnet zugleich den Zugang zum bundesweiten JIA-Netzwerk mit Materialien, Fachaustausch und Kontakten zu Hochschulen und Unternehmen.
Wir danken der Deutsche Telekom Stiftung herzlich für die Förderung, unseren Partnern für die Zusammenarbeit und allen Gästen für ihren Besuch. Das nächste Etappenziel ist gesetzt: In wenigen Wochen sollen die ersten Periskope funktionieren – und dann wird wieder präsentiert. Ganz im Sinne von Gesetz Nr. 20.






